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Eine Rudertour in Speyer und ein kleiner Aushang im dortigen Bootshaus - so fing alles an. Auf dem Flyer wurde eine Bootstour in Gambia angeboten und die Neugierde war geweckt.

Eine weitere Tagestour liegt hinter uns. Die Boote werden verladen, bevor es weiter geht Richtung Wunderland Lodge. (Foto: Christian Schmidt)

Ein Anruf bei der Veranstalterin - eine Ruderin aus Berlin – und die Sache war gebucht. Das Rentnerinnendasein war Karin Bößenroth zu langweilig. Daher ließ sie zwei alte Klinkerboote nach Gambia verschippern und organisiert dort nun Rudertouren. Ein kurzer Anruf und die Sache war gebucht. Unser Vereinskamerad Christian war auch sofort mit dabei und unsere Freunde aus Brüssel - mir denen wir bereits in Franz. Guyana gerudert sind - waren auch zugleich begeistert. Die Gruppe wurde von Ruderfreunden aus Magdeburg und D-dorf komplettiert und so begaben sich 12 Ruderer auf die abenteuerreiche Reise nach Schwarzafrika.

Gambia  - das kleinste Land an der Westküste Afrikas bietet neben freundlichen, netten Menschen eine interessante Natur mit vielen Gewässern. Die beiden Ruderboote - nach unseren Erkenntnissen die einzigen

in Gambia - wurden von Deutschland per Container nach Afrika verschickt. Da es natürlich keinerlei Infrastruktur für Ruderer gibt, Boote und Hänger nicht dem besten technischen Standard entsprachen waren die Anfahrten zu den Ruderrevieren und die Rudertouren immer wieder spannend. Mit den Booten Crocodile und Hippo ging es dann aufs Wasser. Zum Glück gibt es an dem küstennahen Teil des Gambia-River und dessen Nebenarmen noch keine Flusspferde und nur kleine Reptilien. Die Ufer sind größtenteils von Mangroven bestanden. Immer wieder ergeben sich Ausblicke auf die Savannen-Landschaft.

Das Rudern in den Mangroven war trotz mehr als 30 Grad, dank immer wehenden Windes, gut zu ertragen. Kurzweilig wurde es durch viele zu entdeckenden Vogelarten, das Ruderboot umschwimmenden Delphine und  große Pelikankolonien. 

Neben den Ruderaktivitäten wurden natürlich auch die wenigen touristischen Höhepunkten des Landes mit Besuchen der Städte Banjul und Serekunda, der Besuch einer gambischen Familie und eines Krankenhauses, für das Karin noch Hilfsmittel spendete, angeboten. Auch die Erholung in unsereme Hotel am Strand von Kotu kam nicht zu kurz.  

Teil 1 (oben: geschrieben von Michael Thier)
Teil 2 (folgend: geschrieben von Christian Schmidt)

Afrika ist für die Mutigen

Es ist der 2. März und es sind 37°C. Ich bin auf dem Weg zum Flughafen von Banjul. Lamin, der mich zusammen mit seinem Stiefsohn fährt, sagt zu mir: „Afrika ist für die Mutigen.“ Ihm verdanke ich den Titel des Berichts. Es ist keine alltägliche Tour, die hinter mir liegt, und vielleicht auch nicht jedermanns Sache.

Alles fing mit einer Mail an, die mich im Sommer 2018 erreichte: „Wir haben gehört, dass man in Gambia rudern kann. Kommst du mit?“ Das ist nun wirklich etwas Besonderes, also habe ich nicht länger als nötig gezögert und mich angemeldet. Berufsbedingt musste ich eine Woche früher zurück reisen und bin dafür auch eine Woche früher angereist, um das Land kennenzulernen.

In dieser einen Woche sehe ich viel von Gambia und auch etwas vom Senegal. Ich laufe mit Löwen durch die Savanne, darf auf einem Krokodil sitzen und bekomme Giraffen, Zebras, Antilopen, ein Rhinozeros und viele andere Tiere zu Gesicht. Weit im Osten des Landes sehe ich bei einer Bootstour, warum wir nur im Tidenbereich und somit im Salzwasser rudern werden. Etwa 300 Kilometer oberhalb der Mündung sehe ich ein Krokodil und kämpfende Flusspferde im Gambia River. Denen möchte man beim Rudern ja nicht so gerne begegnen.

Zurück am Ufer des Atlantik treffen die anderen Ruderer ein. In unserer Gruppe sind Teilnehmer aus Worms, Aschaffenburg, Düsseldorf, Alt-Werder Magdeburg und Brüssel dabei. Organisiert und geleitet wird die Tour von Karin vom Frauen-Ruderclub am Wannsee. Sie selbst und wir alle wären vor Ort aufgeschmissen ohne den tollen Einsatz von Modou, Siaka und Sahu. An unserem ersten gemeinsamen Tag sehen wir etwas von der Umgebung. Wir dürfen frisch gepressten Saft am Strand genießen und besuchen den nahe gelegenen Monkey Park.

Dann steht der erste Rudertag an. Wir fahren in die Nähe von Kartong im äußersten Südwesten Gambias, wo die Boote schon am Ufer des Allahein auf uns warten. Während wir uns auf die Rudertour vorbereiten, werden wir von einer Trommelgruppe begleitet, die für ein unvergessliches afrikanisches Ambiente sorgt.

Mit zwei Booten rudern wir unsere ersten Kilometer in Gambia. Der Allahein bildet hier die Grenze zum Senegal. Von Grenzposten bleiben wir unbehelligt. Uns begegnen einige einheimische Fischer und – man glaubt es kaum – auch Kajak- und Kanu-Fahrer sind hier unterwegs. Die Ufer sind größtenteils von Mangroven bestanden. Immer wieder ergeben sich Ausblicke auf die eher karge Savannen-Landschaft. Nach unserer Ausfahrt werden die Boote auf einen vor Ort gefertigten Bootshänger verladen und mitgenommen. Am nächsten Tag wartet schon das nächste Ruderrevier.

Vorher warten aber noch der Swimmingpool unseres Hotels und ein schönes Abendessen am Strand auf uns. Die gambische Küche besteht zumeist aus Hähnchen, Rind oder Fisch und wird z. B. mit Zwiebeln und Karotten oder mit Erdnusssoße serviert. Auch Garnelen mit Knoblauch sind – in Gambia und in unserer Gruppe – sehr beliebt. In jedem Fall gibt es Reis dazu.

Es gibt verschiedene Deutungen des Namens „Afrika“. Sei es das phönizische Wort für „Staub“, das griechische „unkalt“ oder das lateinische „sonnig“ – irgendwie passen sie alle. Wir besuchen Gambia während der Trockenzeit. Das bedeutet acht bis neun Monate ohne Regen. In dieser Zeit weht der Harmattan aus Richtung Sahara und sorgt an einigen Tagen für eine vermeintlich diesige Sicht.

An unserem zweiten Rudertag hat der Harmattan aber nachgelassen und bringt uns weniger Sahara-Sand als am Vortag. Nach einem entspannten Frühstück geht es für uns zur Mündung des Lamin Bolong, einem Nebenarm des Gambia River. In Begleitung eines Motorbootes rudern wir heute zur Lamin Lodge. Am Bug des Begleitbootes steht unsere Fahrtenleiterin Karin und dirigiert uns mit einer Warnweste mal nach Backbord, mal nach Steuerbord.

Wir erreichen eine Verbindung zum eigentlichen Gambia River und können die Hauptstadt Banjul in der Ferne erkennen. Für uns geht es aber auf dem Nebenarm weiter, bis wir, von Mangroven begleitet, unser Tagesziel erreichen. Die Lamin Lodge ist ein dreistöckiges, luftiges Holzgebäude. Hier haben wir die Möglichkeit zum Essen. Das Schild am Eingang hat uns schon gewarnt: „Don’t feed the monkey.“ Tatsächlich laufen einige Affen durchs Gebäude. Irgendwann bleibt eine Saftflasche unbeaufsichtigt auf dem Tisch stehen. Nicht viel später hat ein Affe sie geschnappt, setzt sich – für uns unerreichbar – aufs Dach und genießt den Saft.

Die Boote bleiben über Nacht bei der Lamin Lodge liegen. Am nächsten Morgen setzen wir hier unsere Rudertour fort. Der Wind hat über Nacht deutlich zugenommen. Die eigentliche Tour, die uns unter anderem etwa acht Kilometer über den Gambia River geführt hätte, ist so nicht möglich. Der Gambia River ist im Mündungsbereich teilweise über zehn Kilometer breit und der Wind kommt vom jenseitigen Flussufer. Dementsprechend hohe Wellen bauen sich auf.

Wir nutzen stattdessen die Gelegenheit, auch die schmaleren Flussarme zu erkunden. Immer näher kommen die Mangroven auf beiden Seiten. Eine bequeme Wende ist schon nicht mehr möglich. Trotzdem oder gerade deshalb müssen wir umdrehen. Das vor uns fahrende Boot kommt uns rückwärts rudernd entgegen. Während unser Bug schon in den Mangroven steckt, drehen wir das Heck herum. Schließlich können wir wieder normal rudern.

Was liegt jetzt näher als den nächsten Nebenarm zu erkunden? Dieser Arm windet sich in Mäandern durch die Mangroven und wird auch bald schmal. Nach einer Kurve heißt es aus dem Bug „Gegenverkehr“. Uns begegnen drei einheimische Fischer in ihrer Piroge. Durch das Ausweichen an dieser schmalen Stelle kommen uns die Mangroven wieder sehr nahe. Dieses Mal brauchen wir schon etwas länger, bis wir uns befreit haben, aber auch das funktioniert.

Anschließend werden die Boote verladen; es wartet das nächste Ruderrevier. Auf dem Weg dorthin übernachten wir in der Wunderland Lodge, die von Deutschen an einem weiteren Nebenarm des Gambia betrieben wird. Dort heißt es für mich Abschied nehmen. Während alle anderen sich auf den Weg in Richtung Bintang Bolong machen und dort rudern werden, verbringe ich hier meine letzten Stunden in Gambia, tanke noch etwas Sonne und packe meine Sachen.

Nun sitze ich also im Auto; zwei eindrucksvolle Wochen liegen hinter mir. Bei allen tollen Erlebnissen in dieser Zeit haben mich die Begegnungen mit den Menschen am meisten beeindruckt. Immer wird einem herzlich begegnet. Nicht umsonst wird Gambia als die „lächelnde Küste Afrikas“ bezeichnet. Natürlich ist man für die Einheimischen dabei der „Toubab“, der reiche Europäer, der gerade für die Kinder immer wieder eine Attraktion darstellt. Trotz der wirtschaftlichen Unterschiede – als Tourist hat man ohne weiteres ein gambisches Monatsgehalt (ca. 50 Euro) im Portemonnaie – gab es nie einen Anlass, sich unsicher zu fühlen. Braucht man wirklich Mut für diese Tour? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur eines: Afrika ist es wert.


(Fotos: Christian Schmidt / Michael Thier)