Termine

Sa 24.November 18:00-
Sieger- und Jubilarenehrung mit Feuerzangenbowle
Do 6.Dezember 15:00-18:00
Kaffeekränzchen der WRC-Damen
Sa 8.Dezember 13:30-
Nikolausrudern

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Die Sternfahrt zum Wiking ist eine der größten Sternfahrten in Berlin und in Deutschland.“ So informiert die RG Wiking Berlin auf ihrer Homepage, und so hatte ich es gehört, als Judith und Elena aus Berlin bei einer gemeinsamen Wanderfahrt auf der Weichsel davon erzählten. Über ihren Verein konnte ich in diesem Jahr auch an der Wiking-Sternfahrt teilnehmen. Außer dem durch mich vertretenen Wormser RC waren auch der Marbacher RV und der RC Alt-Werder Magdeburg mit je einem Gastruderer dabei.

Sternfahrt zum Wikinger (alle Fotos: Christian Schmidt)

Schon beim Ablegen kommt man in Kontakt mit Berliner und deutscher Geschichte. Der Berliner RC Welle-Poseidon, bei dem ich an diesem Wochenende mitrudern darf, liegt am Großen Wannsee zwischen Liebermann-Villa und Haus der Wannsee-Konferenz. Der Verein selbst hat auch eine beeindruckende Geschichte. Ende des 19. Jahrhunderts wurde er in Grünau im Südosten Berlins gegründet und war eigentlich ein ganz normaler Ruderverein – bis es nicht mehr normal war, dass Juden und Christen in einem Verein zusammen ruderten. 1936 musste der Verein sich in Jüdischer RC Welle-Poseidon umbenennen und wurde nach den Olympischen Spielen aus Grünau vertrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat er eine neue Heimat am Wannsee gefunden.

Über den Wannsee geht es auf die Havel und weiter nach Spandau. Steg und Bootshaus des Spandauer RC Friesen nutzen wir für eine erste kurze Pause und einen Wechsel der Steuerfrau. Zu den beeindruckenden Eigenschaften der Berliner Ruderreviere zählt die Vielzahl an Rudervereinen. Auch wenn die einzelnen Vereine vielleicht gar nicht so viele Boote auf den Weg nach Neukölln bringen, kommt aus den vielen Vereinen eine Menge zusammen.

Unterwegs sieht man zwar nur vereinzelte Boote; in den Schleusen wird es aber jedes Mal sehr voll. Hier wird erst deutlich, wie viele Ruderer an diesem Tag unterwegs sind. Die erste Schleuse erreichen wir übrigens nach einigen Kilometern auf der Spree in Charlottenburg. Die Schleusung läuft problemlos. Neben uns liegt ein Boot mit dänischen Ruderern, die bereits seit 40 Jahren teilnehmen.

An Steuerbord passieren wir Park und Schloss Charlottenburg und erreichen kurz darauf den Landwehrkanal. Nach der Tiergarten-Schleuse legen wir an Backbord an und verbringen eine erste längere Pause im Tiergarten. Direkt gegenüber liegt der Berliner Zoo. Weiter geht es durch Berlin und seine Geschichte. An Steuerbord liegt die Rosa-Luxemburg-Gedenkstätte und an Backbord erinnert der Bendlerblock an das Attentat vom 20. Juli 1944. Schon in Kreuzberg liegt der Urbanhafen, in dem wir unsere zweite Pause machen. Zwischendurch war noch die CDU-Zentrale zu sehen; auch ein Blick auf die etwas entfernt liegenden Hochhäuser am Potsdamer Platz war möglich.

Nach einer dritten und letzten Schleusung erreichen wir schließlich das Wasserstraßenkreuz Neukölln. Hier liegt das Bootshaus der RG Wiking. Wir legen an einem Steg an, lagern unser Boot auf dem Gelände und stürzen uns ins Getümmel der (O-Ton Wiking-Homepage) „großen Sternfahrer-Party im leergeräumten und nun tanzfertigen Bootshaus“.

Am nächsten Morgen treffen wir uns an den Booten, um uns auf den Rückweg zu machen. Angesichts der vielen Mannschaften, die alle gleichzeitig aufs Wasser wollen und mit ihren Booten Schlange stehen, ist davon auszugehen, dass es wohl einige Zeit dauern wird, bis es losgehen kann. Tatsächlich sind wir nach etwa 30 Minuten auf dem Wasser und rudern auf dem Teltowkanal. Schon bald passieren wir – ohne den genauen Punkt zu kennen – den Ort, an dem Chris Gueffroy 1989 gestorben ist. Er war der letzte DDR-Bürger, der den Versuch einer Flucht in den Westen mit seinem Leben bezahlen musste.

Besser kann man sich einen Goldenen Oktober nicht vorstellen als wir ihn heute erleben. Die Ufer des Teltowkanals sind fast durchgehend von herbstlich gefärbten Bäumen bestanden, während wir unter einem strahlend blauen Himmel rudern und die Sonne angenehm und teils kräftig scheint. Wir erreichen und passieren die Schleuse Kleinmachnow. Im Unterwasser legen wir an. Hier führt unser Fahrtenleiter Andreas uns zum Griechen, wo wir reichlich essen (obwohl eigentlich kleine Portionen bestellt waren). 

Auf den letzten Kilometern rudern wir der untergehenden Sonne entgegen. Die villenbestandenen Seeufer auf der Verbindung zwischen Teltowkanal und Großem Wannsee sind ein abschließendes Highlight, bevor wir eine Stunde vor Sonnenuntergang am Steg des BRC Welle-Poseidon anlegen.