Bilac 2026 – von losen Klemmringen und knappen Vorsprüngen

Geschrieben von Jürgen Stephan

Zur neunten Teilnahme mit WRC-Beteiligung brach das bewährte „Bilac-Mobil“ auf, der Hänger schlank beladen mit einem Gig-Doppelvierer. Aber halt, eine Neuerung gab es: mehr durch Zufall erfuhren wir, dass in der Schweiz die Auflaufbremse nicht einfach über die Kupplung gelegt werden darf (so wie wir das halt wie immer gemacht haben…), sonst drohen hohe Geldstrafen.

Der Wetterbericht war ziemlich eindeutig, 20 Grad kaum Wind und Jubiläum – das gibt die Seestrecke. Wurde auch um 9:30 Uhr bestätigt!

Der Ablauf ist in den Berichten der letzten Jahre nachzulesen, gegen Nachmittag trafen wir am ungewöhnlich vollen Sattelplatz ein – eine Herde Schausteller war wohl in der Stadt und belagerte den sonst menschenleeren Platz. Das Elektrofahrzeug musste nochmal kurz vor Biel nachgeladen werden, so dass beim Eintreffen gerade schon der letzte Ausleger aufgeriggert war – war da etwa Absicht im Spiel?

In der bekannten BASPO-Unterkunft waren für uns dieses Jahr Zimmer im etwas einfacher ausgestatteten „Bella Vista“ (der Name ist aber Programm) vorgesehen, echte Bilac-Maniacs erinnern sich an 2017 und 2019 – da waren wir auch schon dort. Aber selbst langjährige Bilac-Teilnehmer wurden erstmals mit einem sensationellen Seeblick überrascht. Tipp: Doppelzimmer nehmen!

„Keine Experimente“ (Konrad Adenauer) werden beim Abendessen gemacht, beim Italiener „Cappricchio“ sitzen wir aber temperaturbedingt drinnen.

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Bilac haben sich die Veranstalter etwas anderes ausgedacht (skandalös!) und gaben die T-Shirts schon vor dem Start aus. Die Finisher-Shirts unterstützen die „Ramer en Rose“-Bewegung. Damit werden wir im Altrhein auf jeden Fall gut zu sehen sein. Am Renntag Routine, wir wassern rechtzeitig ein (trotz 7:45 Uhr Abfahrt), wollen zum Start rudern und es löst sich ein Klemmring bei Klaus. Kurz bricht Panik aus, da kein Werkzeug dabei (sind wir Anfänger?), aber in einem der benachbarten Boote findet sich ein Miniwerkzeug, mit dem sich der Klemmring zumindest notdürftig festschrauben lässt. Sabotage? Sind ausländische Geheimdienste beauftragt worden? Egal, wir fokussieren uns auf einen guten Startplatz und starten aus der zweiten Reihe. Das Mannheimer Boot hat sich erneut verjüngt und verstärkt und liegt trotz unseres guten Startplatzes zunächst vor uns. Zwischen diesen beiden Booten wird wohl das Rennen um den schnellsten C Gig 4x+ entschieden.

Aber nach ca. 5 km, kurz vor der Einfahrt in den Zihlkanal sehen wir sie schon aus den Augenwinkeln auf Steuerbord. Mit der stark gewählten Innenkurve (sind die Anfänger?) ziehen wir vorbei und können im Kanal etwas Wasser zwischen uns bringen. Dann tauscht das Mannheimer Boot während der Fahrt den Steuermann und Schlagmann mit nahezu keinem Zeitverlust (sind doch keine Anfänger!) und die neue Mannschaft zeigt sich deutlich stärker. Bis zur Ausfahrt am Kanal sind die Mannheimer auf knapp zwei Bootslängen herangerückt. Ein bisschen Nervosität kommt schon auf bei uns, aber wir setzen auf unsere Stabilität im Bieler See. Das klappt, wir bekommen die Kiste gut ans Laufen und wir können nach Motivation durch diverse Rennboote um uns herum zumindest 30 Sekunden Vorsprung zwischen Mannheim und uns bis ins Ziel retten. So knapp war es noch nie!

Nun beginnt der wirklich gemütliche Teil. Bei Kaffee und Eis auf der BASPO-Terrasse lassen wir uns von Klaus Eiger, Mönch und Jungfrau zeigen, um 18:15 Uhr geht es zur Hohmatt-Wanderung. Pferdesteaks gibt es keine mehr, Kreditkarten sind immer noch unbekannt, aber bei Rösti, Fisch und Rumpsteaks kann das Rennen nochmal ausführlich besprochen werden.

Die Beteiligung beim Sonntags-Abschlusspaziergang ist rekordverdächtig niedrig, aber der Wettergott ist uns weiterhin gnädig. Bilac 2027: 18. September 2027!

Fotos: Jürgen Stephan

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