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Auf der Suche nach einer größeren Wanderfahrt war ich im Frühjahr 2021 auf der Seite von rudern.de fündig geworden: Es sollte eine Gemeinschaftswanderfahrt im September auf der Elbe sein. 

Ein Anruf beim Fahrtenleiter Albrecht Schoof ergab, dass noch Platz war und er als Anmeldung lediglich eine kurze email haben wollte. Spannend wurde es dennoch, weil bedingt durch Corona die Rudertouren des gesamten Frühjahrs abgesagt worden waren und im August die Infektionszahlen wieder hoch gingen.

Anfang August kam eine kurze email, mit der ich auf die gleiche Tour eine Woche früher umgeswicht wurde, mit der knappen  Aussage, wenn es nicht klappt - Pech gehabt. Nun, ich konnte den Urlaub noch früher nehmen.  Irgendwann danach wurde der Reisepreis fällig - und noch immer wartete ich auf weitere Informationen. Immerhin folgte ein Hinweis für die Buchung der Rückfahrt

Also blieb mir nichts weiter übrig, als nach Dresden zu fahren, ins Hotel zu laufen und zu schauen wer alles da ist. Eine Dame in der Lobby kam mir von einer früheren Wanderfahrt bekannt vor. Ein Teil der Gruppe war  bereits eingetroffen. Da nichts weiter bekannt war, fuhr ich mit einigen Damen für einen Bummel und zum Abendessen in die Stadt. Ein später eingetroffener Teilnehmer teilte dann per whatsapp mit, dass ein Tisch für die Gruppe in der Nähe des Hotels für 19 Uhr reserviert sei- nur es wussten die meisten nichts davon. Immerhin lernte ich von meinen Begleiterinnen die do’s und don’ts im Ungang mit unserem Fahrtenleiter: 

  • beim Frühstück nicht in Ruderkleidung erscheinen,
  • in der Mittagspause wird ein Picknick eingenommen, welches der Landdienst anrichtet.
  • Es gibt keine Abrechnung der Tour, weil Überschüsse für den Erhalt der Boote verwendet wird und Defizite vom Fahrtenleiter ausgeglichen werden
  • Nicht widersprechen
  • Die Fahrt ist mit Sicherheit perfekt organisiert, aber der Fahrtenleiter ist kein großer Kommunikator.

Und wir erfuhren, wann Frühstück sein sollte. Von den älteren Herrschaften ging einer bei mir am Tisch vorbei, dem ich meinen Namen sagte - er mir aber nicht seinen. Die anderen teilten mit, dass es sich um den Fahrtenleiter handelt. 87 Jahre jung, drahtig, wendig, wortkarg.

Nach dem Frühstück ging es zur Einsatzstelle Pirna, nachdem sich 2 der Landfahrzeuge mit viel Manövrieren aus der Sackgasse mit Baustelle heraus gelenkt hatten. Und ich bekam den Auftrag den 2. Transporter zu fahren. Etwas ungewohnt das fünf Meter lange Fahrzeug, aber es ging meist gerade aus. Zum Glück hatte der Beifahrer noch ein Navi auf dem Handy und die Adresse. Nebenbei erfuhr ich, dass ich erstmal Landdienst hatte.

Es ging am ersten Tag 30 km zurück bis Dresden.  Die vier Boote stellte der RV Bodenwerder, allesamt so schwer, dass stets 2 Mannschaften die Boote tragen mussten. An Schiffsverkehr wurden 4 Raddampfer gemeldet. Tagesziel war der Dresdner Ruderclub, wo sich auch ein Bundesstützpunkt Rudern befindet. Entsprechend waren die Bootshallen mit reichlich gelben Booten bestückt. Sehr eindrucksvoll auch der Saal mit den Ergometern, jedes einzeln abgeschlossen.


(alle Fotos: Ingrid Kramer-Schneider)

Uns zog es ins Hotel und nochmals zu einem kurzen Bummel in die Stadt. Für das Abendessen war wie auch an den Folgeabenden reserviert- wir konnten a la carte essen. Ein Highlight der Verpflegung war das Buffet in unserem Magdeburger Hotel.

In den kommenden Rudertagen hatten wir zunächst Glück mit dem Wetter- strahlende Sonne und praktisch windstill. Die Tagesetappen betrugen zwischen 60 und 70 km mit Landdienstwechsel und Mittagspause bei der Hälfte. Wichtig war, dass es mittags genug Frischmilch zum Trinken gab, das war alles, worauf Albrecht bestand.  Unser Fahrtenleiter war vormittags im Boot, sein bevorzugtes war ein Klinker-Riemenvierer. Nachdem ich mitgeteilt hatte, dass ich früher Riemenrennen gerudert war, hatte ich ebenfalls einen Stammplatz dort. Andere Teilnehmerinnen unternahmen alles um nicht ins Riemenboot zu müssen.

Auf der Elbe benötigen die Gierfähren besondere Aufmerksamkeit. Es sind Fähren, die mit Seilen und Bojen im Strom festgemacht sind. Je nachdem, an welcher Seite die Fährte gehaltert ist, darf man nicht weiterrudern, wenn die Fähre am gegenüberliegenden Ufer festgemacht hat, um nicht mit den Halteseilen in Kontakt zu kommen.

Die Tagesetappe ab Magdeburg bescherte uns einen Geschwindigkeitsrekord von 17 km/h Bootsgeschwindigkeit auf der Höhe des Domfelsens. Am Nachmittag hingegen, als dann böiger Wind aus Nordwest aufkam, sank die Bootsgeschwindigkeit auf ganze 7 km / h, wobei die Strömung zwischen 3 und 5 km ausmachte. Bei solchen Bedingungen wollte jeder im  Boot einfach nur noch ankommen. Jedoch wussten die Teilnehmer alle, worauf sie sich eingelassen hatten- alle ruderten klaglos weiter.

Als Besonderheit hatten einige der Teilnehmer einen privaten Rollsitz mitgebracht, den ich nur Thron nannte. Auf der normalen Spurweite war ein gut gepolsterter Aufbau mit Gel-Innenleben aufgebracht, der den geplagten Rudererpopo schmerzfrei über den Rudertag bringen soll. Ich hatte Gelegenheit, das alte und das noch erhältliche Modell auszuprobieren. Letzteres fiel in meinem Test wegen der Kante, die den Fuß zum Einschlafen brachte, durch. Auf dem Vorgängermodell hatte ich noch hervorragend gethront….

Nach 380 Flusskilometern, 2 Güterschiffen und 2 Booten der Wasserschutzpolizei  endete die Tour kurz vor Werben an einer Fähre.

Mit eingespielten Griffen wurden die Boote grob gesäubert, abgeriggert und verladen. Sodann noch ein letztes der sagenhaften Mittagsbuffets. Eine Teilnehmerin wurde auf eigenen Wunsch an der Fähre zurückgelassen, wo ihr Mann sie abholen wollte. Die übrigen fuhren mit den Transportern nach Stendal. Auf dem Weg dorthin musste ein Bus noch tanken. Die einzige Tankstelleweit und breit - vollautomatisiert-  gab für die üblichen Kreditkarten keinen Sprit heraus. Ein Anruf beim Betreiber brachte keinen Erfolg, aber ein weiterer Kunde, der zufällig vorbei kam, hatte die notwendige spezielle Tankkarte und schenkte uns 2 Liter Diesel.

Am Bahnhof hieß es dann Abschied von der kleinen eingeschworenen Gemeinschaft nehmen, mit Optionen, sich an den jeweiligen Standorten zu besuchen.

Für 4 der Teilnehmer ging es allerdings nicht nach Hause, sondern- elbaufwärts an die tschechische Grenze für eine weitere Ruderwoche auf der Elbe- für Kilometerfresser.